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Dr. Bettina Hofer, Wissenschaftsjournalistin

Antibiotikaresistenzen durch Putzmittel und Kosmetika?

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Triclosan, ein Bakterienhemmer, ist Bestandteil von Reinigungsmitteln und Kosmetika. Obwohl es seit Jahren als “problematischer Stoff” bekannt ist, werden seine Verwendung und Vorkommen nicht überwacht.

Triclosan ist ein Desinfektionsmittel, das hierzulande in Reinigungsmitteln keine Rolle mehr spielt (Öko-Test 09/2006), wohl aber im medizinischen Bereich eingesetzt wird. Diese Substanz steht „auf Platz 6 der besonders problematischen Stoffe in sächsischen Flüssen“. Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) stellten dies kürzlich bei Probennahme an einem Nebenfluss der Elbe fest, der durch ein Braunkohle-Tagebaugebiet in Tschechien fließt. Die Wissenschaftler waren erstaunt, „dass die im Wasser und Sediment gefundene Chemikalie Triclosan, die als Bakterienhemmer in Textilien eingesetzt wird, problematischer für die Umwelt ist als die hohen Konzentrationen an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen.“

Trotz der seit Jahren bekannten Anreicherung von Triclosan in Sedimenten, Fischen und sogar der Muttermilch, wird diese Chemikalie auch in nächster Zukunft nicht in der EU überwacht werden. Triclosan steht außerdem in Verdacht die Dioxinbelastung der Umwelt zu erhöhen.

Neben der Giftigkeit geht von diesem Desinfektionsmittel noch eine weitere Gefahr aus: Niedere Pilze und Bakterien entwickeln Resistenzen. Damit erhöht sich bei zunehmenden Mengen dieser Substanzen in der Umwelt die Gefahr, dass wichtige Desinfektionsmittel im medizinischen Bereich wirkungslos werden.

Damit nicht genug: Bevor Triclosan in resistenten Bakterien seine tödliche Wirkung erzielen kann, wird es einfach von sogenannten „Efflux-Pumpen“ oder Membran-Transportern wieder hinaus befördert. Solche Systeme in der bakteriellen Zellwand erkennen ein breites Spektrum verschiedener Stoffe, darunter sind leider auch verschiedene Antibiotika wie Tetrazykline, Erythromycin, Rifampicin, Chloramphenicol, Fluorchinolone, Macrolide, Lincosamide. Effluxpumpen/Membran-Transporter sind ein Typ unter verschiedenen Antibiotika-Resistenzmechanismen. Somit begünstigt die breite Verwendung von Triclosan (und auch anderen Desinfektionsmitteln) eine weitere Ausbreitung und die Anreicherung bereits vorhandener Antibiotika-Resistenzen unter Mikroorganismen. Dieses Phänomen nennen Wissenschaftler “Kreuzresistenz”. –

Selbst wenn Sie den bakteriellen Lebensgemeinschaften auf Arbeitsflächen in der Küche und in den Problemzonen des stillen Örtchens den Kampf rein sportlich mit Essig und Seife angesagt haben, werfen Sie doch mal einen Blick auf Ihre Kosmetika. Triclosan (Handelsname Irgasan, Irgacare, TCS) kommt in geringen Mengen in vielen Zahnpasten, Rasiergels, Cremes, Reinigungslotionen, „antibakteriellen“ Flüssigseifen und Deos, aber auch in Textilien („sanitized“) vor. Manchmal ist es nicht einmal in den Zusatzstoffen aufgelistet und versteckt sich unter dem Sammelbegriff „Konservierungsstoff“.

Triclosan schädigt unsere gesunde, bakterielle Mikroflora auf der Haut oder im Mund. Wenn es keine sog. „medizinisch begründete Indikationen“ gibt, sollten wir als Privatverbraucher einen großen Bogen um Triclosan-haltige Produkte aller Art machen. Zeitschriften wie Öko-Test (oder auch deren Online-Angebot) sind dabei äußerst nützlich.

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