MINTartikel

Dr. Bettina Hofer, Wissenschaftsjournalistin

EU-Allianzen gegen multiresistente Bakterien

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Wie wichtig und dringend ein Erfolg im Kampf gegen multiresistente Bakterien wäre, drücken Wissenschaftler, Ärzte und andere Experten oft in Zahlen aus:

  • Zunehmend multiresistente Krankenhauserreger sorgen für
  • mindestens 25.000 Tote in Europa pro Jahr durch Infektionen mit diesen Keimen, die zu schätzungsweise
  • 1,5 Milliarden Euro Behandlungs- und Sozialfolgekosten  führen. Demgegenüber stehen
  • nur zwei neue Antibiotikaklassen in den vergangenen 30 Jahren, also noch immer
  • keine „Resistenz-brechenden“ Antibiotika, um die Krise zu begrenzen oder gar zu beenden.

Die Dringlichkeit lässt sich aber auch an der Anzahl von Forschungsprojekten und der Höhe der Fördergelder ablesen. Erst letzte Woche haben wieder zwei Projekte oder Teilprojekte millionenschwere Förderzusagen bekommen, als „EU-Offensive gegen multiresistente Bakterien“. Rund 6 Millionen Euro gehen an das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (Braunschweig), das mit verschiedenen Partnern an einer internationalen Antibiotika-Studie beteiligt ist. Hier erhofft man sich, auch wenn das im Zentrum der Studie stehende Antibiotikum nicht zur Marktreife weiterentwickelt werden würde, neue Erkenntnisse zur Entstehung von Infektionskrankheiten, Krankheitsverläufen und „charakteristischen Markersubstanzen“ (auffällige Moleküle, die mit den Infektionen in Zusammenhang stehen).  Über ein Budget von 29,3 Millionen Euro dürfen die 25 europäischen Partner aus Wissenschaft, Kliniken und Industrie verfügen, die unter Führung der Jacobs University (Bremen) am TRANSLOCATION-Projekt beteiligt sind. Sie wollen molekularbiologische Prozesse des Antibiotika-Transports durch Bakterienzellwände und zugrunde liegende Erkennungs- und Resistenzmechanismen untersuchen. Beide Forschungsprojekte sind ein kleiner Teil des 7. Rahmenprogramms für Forschung und technologische Entwicklung (2007-2013), das allein für den Gesundheitsbereich 147 Millionen Euro umfasst.

EU-Gelder sind nicht automatisch gut angelegt, doch bei der Bekämpfung multiresistenter Bakterien gibt es eine positive Nachricht: Die Forschungsgelder werden nicht (mehr) im Gießkannen-Prinzip verteilt. Bereits seit einigen Jahren werden Projekte gefördert, die auf interdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit ausgerichtet sind: Kooperationen von Kliniken, Forschungsinstituten/Universitäten und Pharmaunternehmen sind eher die Regel als die Ausnahme. Dabei wird Grundlagenforschung – anders als noch vor fünf bis 10 Jahren – nicht mehr als wenig zielführend belächelt, sondern als notwendige Voraussetzung zum Verständnis molekularer Prozesse, Voraussage epidemiologischer Entwicklungen und zur Risikoabschätzung gefördert. Gleichzeitig können hier gewonnene Erkenntnisse direkt in die Antibiotika-Entwicklung, aber auch beispielsweise in Hygienemaßnahmen für Krankenhäuser einfließen. Auch Misserfolge werden anscheinend nicht mehr automatisch verschwiegen, sondern manchmal auch in Datenbanken abgelegt. -Fast wie im richtigen Leben:  aus Fehlern können wir lernen. Manchmal lernen auch andere aus  unseren…

 

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2 Kommentare

  1. Hi Bettina,

    wenn Du noch einmal sagst Du könntest nicht so schreiben, dass „Dummies“ Dich verstehen lache ich Dich aus! Der Artikel (und die anderen die ich gelesen habe) ist richtig geschrieben und macht Spaß zu lesen. Auch der „Superbug“ Link ist witzig – und erschreckend ..

    Viele Grüße von einer langweiligen Messe

    Michael

    • Hallo Michael,

      die „Dummies“ sind Deine Wortwahl und Interpretation… – Eigentlich möchte ich für Jedermann schreiben: so verständlich, dass auch Nicht-Fachleute sich ein Bild vom Thema machen können, aber auch nicht so trivial, dass sich naturwissenschaftlich vorbelastete Leser mit Grausen abwenden. Momentan wären „Leser“ generell schön, vor allem solche, die sich zu erkennen geben.
      Also: vielen Dank für Deinen Besuch und Kommentar, – ich hoffe, Du empfiehlst meine Seite weiter!
      Gruß, Bettina

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