MINTartikel

Dr. Bettina Hofer, Wissenschaftsjournalistin

Antibiotikaverbrauch in der Tiermedizin

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Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat erste konkrete Zahlen für den Verbrauch von Antibiotika in der Tiermedizin veröffenlicht. Danach haben in Deutschland im Jahr 2011  pharmazeutische Unternehmen und Großhändler rund 1.734 Tonnen Antibiotika an Tierärzte abgegeben.

Bisher lagen keine verlässlichen Daten über den Antibiotika-Verbrauch in der Tiermedizin vor. Der Bundesverband für Tiergesundheit e.V. schätzte die Menge verbrauchter Veterinär-Antibiotika für das Jahr 2005 auf 784,4, für 2010 auf 900 Tonnen. Davon gingen – ebenfalls geschätzte – 95 Prozent zu Lasten der Nutztierhaltung.

Um Zusammenhänge zwischen Resistenzentwicklungen bei Bakterien und dem Antibiotika-Verbrauch zu erkennen, mussten belastbare Daten her. So wurde erstmalig im Rahmen der DIMDI-Arzneimittelverordnung vom 24.02.2010 festgelegt, dass die Gesamtmenge abgegebener Antibiotika an Tierärzte zu erfassen sei. Aus der Mengenerfassung lassen sich keine Behandlungshäufigkeiten einzelner Tierarten oder gar Tierbestände ablesen. Aber die vom BVL veröffentlichte Zahl von 1.734 Tonnen Antibiotika sagt deutlich, dass deren Vergabe an Tiere fast doppelt so hoch ist wie bisher angenommen. Und damit wird die Veterinärmedizin wohl in höherem Maße als bisher angenommen zur bakterielle Resistenzentwicklung und -verbreitung beitragen.

Vor allem ältere Wirkstoffe wie Tetracycline und Aminopenicilline stellen mit 576 und 505 Tonnen den stärksten Anteil. Als Human-Antibiotika kennen wir sie ebenfalls: Fast jeder wird einen Vertreter diese Klassen schon einmal eingenommen haben, wie Doxycyclin bzw. Amoxicillin. Gegen diese Antibiotika sind nicht nur bei Tieren vorkommende bakterielle Erreger resistent, sondern vor allem auch die an Krankenhausinfektionen beteiligten Bakterien.

Die gute Nachricht in dieser Mitteilung ist eventuell, dass die für die Human-Medizin kritischen Antibiotika wie Fluorchinolone und Cephalosporine der 3. und 4. Generation in der Tiermedizin mit nur etwa acht und vier Tonnen vertreten sind. Aber angesichts der Tatsache, dass diese Wirkstoffe in der Humanmedizin als „Reserveantibiotika“ – wenn ältere Wirkstoffe nicht mehr helfen – von großer Bedeutung sind, könnte sich das als schlechte Nachricht herausstellen.

Die wichtigste Maßnahme neben guter Hygiene – sowohl in Veterinär- als auch Humanmedizin – ist, den Einsatz von Antibiotika auf das absolut notwendige Maß zu beschränken. Dazu kann jeder beitragen: als Verbraucher und Patient!

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