MINTartikel

Dr. Bettina Hofer, Wissenschaftsjournalistin

Tierantibiotikaverbrauch – verbessertes Update? (Version 2.0.1.2)

13. November 2013 von Bettina Hofer | 2 Kommentare

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat am 11.11.2013 neue Zahlen zur Gesamtabgabemenge von Antibiotika in der Tiermedizin veröffentlicht:  Im Jahr 2012 seien 1619 Tonnen (t) Antibiotika an Tierärzte abgegeben worden, 87 t weniger als im Jahr zuvor. Die Reserveantibiotika der Humanmedizin (z. B. Fluorchinolone und Cephalosporine der 3. und 4. Generation) würden weiterhin in geringen Mengen abgegeben, aber die Abgabe der Fluorchinolone stieg um 2 Tonnen an.

Das klingt nach positiver Tendenz, differenzierter Betrachtung und stichhaltigen Informationen. Nun bleibt zu hoffen, dass die Daten nicht so wie in der Presseinformation angegeben, nach reinen Zahlen, in Zeitungsartikeln oder Radioberichten heruntergebetet werden. Denn nach wie vor ist der Antibiotikaverbrauch in der Tiermedizin, insbesondere in der Tiermast, zu hoch. Weiterlesen →

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31. Juli 2013
von Bettina Hofer
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Masernausbrüche durch fehlende Impfbereitschaft

Deutschland wird das von der WHO gesteckte Ziel, die Masern innerhalb seiner Grenzen bis 2015 auszurotten, wohl nicht mehr erreichen. Skandinavien, viele osteuropäische Länder in Osteuropa, selbst Nord- und Südamerika und einige Staaten im Süden Afrikas sind frei von Masern. Wir dagegen leisten uns Impfmüdigkeit und Impfskepsis, so dass allein in diesem Jahr bisher über 1.000 Menschen an Masern erkrankt sind.

Quelle: Robert-Koch-Institut (Daten aus den jeweiligen Jahrbüchern)

Quelle: Robert-Koch-Institut (Daten aus den jeweiligen Jahrbüchern)

Mit einem der besten und teuersten Gesundheitssysteme der Welt im Rücken hätten wir die Masern längst schon ausrotten können. Dennoch erkranken hierzulande zur Zeit Kinder, aber auch auffällig viele Jugendliche und junge Erwachsene an Masern. Sie sind zum größten Teil nicht oder nicht vollständig gegen Masern geimpft (erste und zweite MMR-Impfung). Warum aber hat Deutschland diese gefährlichen Impflücken, die sich in bestimmten Städten (wie Berlin, Rosenheim oder Garmisch-Partenkirchen) und in vielen – vor allem bayrischen – Landkreisen besonders weit auftun? Weiterlesen →

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20. Juni 2013
von Bettina Hofer
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Bakteriophagen als Symbionten des Menschen?

– Eine nicht nur oberflächlich vorteilhafte Beziehung

Unsere Schleimhäute schützen uns in der Regel zuverlässig vor Infektionen. Erst wenn sie geschädigt sind – zu trocken, aus ihrem bakteriellen Gleichgewicht oder verletzt – haben Krankheitserreger ein leichtes Spiel. Generell sind Schleimhäute die Haupteintrittspforte für Krankheitserreger und zugleich die vorderste Front in der Verteidigung gegen Infektionen. Der Schleim enthält nicht nur Bakterien, sondern auch verschiedene bakterielle Viren, die Bakteriophagen. Amerikanische Forscher haben kürzlich nachgewiesen, dass im Vergleich zu anderen Körperoberflächen besonders viele Bakteriophagen – kurz: Phagen – auf Schleimhäuten vorkommen, vom Nesseltierchen bis zum Menschen. Weiterlesen →

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28. Mai 2013
von Bettina Hofer
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Antibiotika-resistente Bakterien unterlaufen die Immunabwehr

 

Acinetobacter baumannii, ein Erreger schwerer Krankenhausinfektionen, breitet sich auf einem Nährboden aus. (Bildquelle: Robert Koch-Institut)

Acinetobacter baumannii, ein Erreger schwerer Krankenhausinfektionen, breitet sich auf einem Nährboden aus. (Bildquelle: Robert Koch-Institut)

Mittlerweile hat es sich herumgesprochen: Antibiotika wirken nicht nur positiv auf die Genesung von (menschlichen und tierischen) Patienten mit bakteriellen Infektionen, sondern haben auch viele negative Begleiterscheinungen. Sie schädigen wichtige Bakteriengemeinschaften (Mikrobiom) auf und in den Patienten, beschleunigen die Verbreitung Antibiotika-resistenter Keime in Krankenhäusern und der Umwelt. Doch damit nicht genug. Wenigstens für einen speziellen Resistenzmechanismus haben Wissenschaftler nun gezeigt, dass er nicht nur der Ausbreitung gefährlicher Krankenhauskeime Vorschub leistet, sondern diese damit sogar die erste Front unserer Immunabwehr unterlaufen. Weiterlesen →

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24. April 2013
von Bettina Hofer
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Die intelligente Antibiotika-Therapie als Beschleuniger der Multiresistenz

„Viel hilft viel“ gilt nur für Resistenzgene, nicht unbedingt für Antibiotika

Das bewährte Antibiotika-Rezept bei Infektionen, das jahrelang von Pharmaforschern empfohlen, von Ärzten beherzigt und als allgemeine Weisheit anerkannt war, lautete: „hit early and hit hard“. Ein Pharmaforscher ergänzte noch um „hit strong enough“. Dabei wird noch immer zu oft mit Kanonen auf Spatzen geschossen: In den letzten Jahren war jedes zweite von deutschen Ärzten verschriebene Antibiotikum eines aus der „eisernen Reserve“. Diese sollen zurückgehalten und nur gegen „Problemkeime“ hervorgeholt werden, um eine weitere Resistenzverbreitung so lange wie möglich zu vermeiden. Selbst ESBL-Keime, deren Resistenzen noch vor einiger Zeit nur mit modernen Carbapenemen –Reserve-Antibiotika – geknackt wurden,  sollen „intelligent therapiert“ werden: (meist zwei) Antibiotika werden gemeinsam verabreicht. Diese synergistischen Antibiotika-Therapien sind mittlerweile gängige Praxis und gelten allgemein als der schnellste und klügste Weg, bakterielle Infektionen zu behandeln und gleichzeitig Resistenzbildung zu vermeiden. –

Doch Bakterien sind intelligenter als die gegen sie eingesetzten Therapien. Die vermeintlich synergistischen Effekte können einen so starken (Selektions-)Druck auf die Bakterien ausüben, dass bereits nach einem Tag (!) Resistenzen gegen beide Antibiotika auftreten. Weiterlesen →

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28. März 2013
von Bettina Hofer
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Bakterienviren für sicherere Lebensmittel

Link: Konservieren mit Viren, veröffentlicht in der Technology Review 03/2013

Bakteriophagen sind für uns nützliche Spezialisten unter den Viren. Sie töten gezielt Bakterien ab und bekämpfen so lebensmittelbedingte Infektionen.

 

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7. März 2013
von Bettina Hofer
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Zähneputzen hilft gegen Herzinfarkt?

Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) fanden in einer Studie Hinweise darauf, dass bereits bei leichtem Zahnfleischbluten mehr Proteine im Blut zirkulieren, die bei Herz- und Gefäßerkrankungen eine Rolle spielen.

Regelmäßiges Zahnfleischbluten beim Zähneputzen weist auf eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) hin. Die Ursache hierfür steckt meist zwischen den Zähnen: Bakterien, die dort nicht von der Zahnbürste weggeputzt werden, bilden Beläge (mehrschichtige Biofilme aus vielen verschieden Bakterienarten) und verursachen die Entzündung. Die Paradontitis („Paradontose“) ist eine bakterielle Entzündung, bei der auch der Zahnhalteapparat, also der Kieferknochen angegriffen wird. Sie gilt bereits als Risikofaktor für Arteriosklerose und damit für Herzinfarkt. Leichtes Zahnfleischbluten dagegen galt  als – noch – harmlos. Doch nun entdeckten zwei Arbeitsgrupen der MHH gegenteilige Anzeichen. Weiterlesen →

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20. Februar 2013
von Bettina Hofer
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EU-Allianzen gegen multiresistente Bakterien

Wie wichtig und dringend ein Erfolg im Kampf gegen multiresistente Bakterien wäre, drücken Wissenschaftler, Ärzte und andere Experten oft in Zahlen aus:

  • Zunehmend multiresistente Krankenhauserreger sorgen für
  • mindestens 25.000 Tote in Europa pro Jahr durch Infektionen mit diesen Keimen, die zu schätzungsweise
  • 1,5 Milliarden Euro Behandlungs- und Sozialfolgekosten  führen. Demgegenüber stehen
  • nur zwei neue Antibiotikaklassen in den vergangenen 30 Jahren, also noch immer
  • keine „Resistenz-brechenden“ Antibiotika, um die Krise zu begrenzen oder gar zu beenden.

Die Dringlichkeit lässt sich aber auch an der Anzahl von Forschungsprojekten und der Höhe der Fördergelder ablesen. Weiterlesen →

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10. Dezember 2012
von Bettina Hofer
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Bakterien als blinde Passagiere in medizinischen Desinfektionsmitteln

FDA warnt vor Krankenhausinfektionen durch Antiseptika

Wirksame Desinfektionsmittel, die vor Injektionen oder Operationen die Haut des Patienten lokal desinfizieren, sind angesichts der zunehmenden Bedrohung durch multiresistente Bakterien wichtiger denn je. Denn viele Infektionen geschehen durch Keime, die die Patienten auf Haut oder Schleimhaut ins Krankenhaus importieren oder bei  mangelnder Hygiene vom Personal von Patient zu Patient verbreitet werden . Dass ausgerechnet solche Antiseptika, die Wundinfektionen verhindern sollen,  mikrobiell verunreinigt sein können, ist erschreckend. Die FDA, die amerikanische Behörde zur Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit, hat bereits 2009 erwogen, sterile Produktionsbedingungen für antiseptische Produkte zu fordern. Nachdem sie diese Frage noch immer nicht endgültig bewertet hat, führt sie zum Thema in dieser Woche eine zweitägige Anhörung durch. Weiterlesen →

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